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Aus den Anfängen der Motorisierung

In seinem Bericht über „Dat este Auto im Upland“ schreibt Karl Schäfer humorvoll über Ludwig Keine, das erste Auto im Upland und die Erlebnisse bei den Fahrten durch das Waldecker Land. Ludwig Keine war nach den Erzählungen ein betuchter Rentier, der sein Geld u.a. durch Landverkauf an Bergwerke gemehrt hatte. Er wohnte in der Villa Bangen (heute Schusters – Renate Pöttner). Mit seinem Autokauf sorgte dieser Pionier der Motorisierung für Bewegung (im wahrsten Sinne des Wortes) in Bömighausen und Umgebung. Zwischen Kauf und erster Ausfahrt hatte der sicher stolze Kraftfahrzeugbesitzer auch damals einige bürokratische Auflagen zu erfüllen, die in der „Landespolizeiverordnung betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen“ im Fürstlich Waldeckischen Regierungs=Blatt Nr. 15 vom Dienstag, den 16. September 1902 (Ergänzungen 1904 und 1906) in neunundzwanzig Paragraphen abgedruckt sind. Geregelt werden u.a.: Betriebssicherheit, Lenkvorrichtungen, Bremsen, Laternen, Typenschild, „TÜV“, KFZ-Kennzeichen, Fahrschule, Fahrbescheinigung, „Führerscheinentzug“, Verbot von Wettfahrten, Unfallverhütung usw. Der Paragraph 21 soll im Wortlaut hier wiedergegeben werden: „Die Geschwindigkeit der Fahrt darf in geschlossenen Ortschaften, bei der Begegnung mit Fuhrwerken, Reitern oder einer Mehrzahl von Viehstücken und überall bei Dunkelheit die Geschwindigkeit eines in gestrecktem Trabe befindlichen Pferdes (15 km in der Stunde) nicht überschreiten. Erhöht darf diese Geschwindigkeit nur werden außerhalb der Ortschaften, wenn die Fahrbahn auf einige hundert Meter übersehen werden kann und frei ist.“

Leider habe ich mir von Augenzeugen der damaligen Zeit noch zu wenig berichten lassen. Immerhin merkte ich mir, dass Fotos des ersten Automobils vorhanden sein müssten, die mein Onkel, Karl Schäfer, viele Jahre vergeblich gesucht hatte. Bei Nachforschungen fand ich 2004 zwar nicht das Auto, aber die Spur zu einem Bild. Wie in einem Kriminalroman half „Kommissar Zufall“. Weitere Einzelheiten wurden durch die Hilfe der Nachkommen Ludwig Keines und eines KFZ-Spezialisten für Oldtimer ermittelt.

Auto

Im Fürstentum und Freistaat Waldeck galt der Buchstabe W im Kennzeichen, der nach dem Anschluss an Preußen 1929 durch IT abgelöst wurde. Das erste Bömighäuser Auto trägt das Kennzeichen W 23 handgemalt nach Vorschrift. Es ist ein Fabrikat der Firma Adler evtl. Dixie und kostete damals mehr als 10 000 Goldmark. Dafür konnte man schon ein kleines Haus kaufen. Das Baujahr ist 1900-1908. Es hatte folgende Technik: Verdeck, 4 Lampen vorne, Luftbereifung, Windschutzscheibe, Hupe, Speichenräder, Handbremse, Kulissenschaltung, Kotflügel, Trittbretter, hinten Türen und das Lenkrad sowie die Typennummer 850 K rechts. Ludwig Keine legte den Führerschein der Klasse 3b ab. Prüfung am 27.06.1908/Liste Nr. 4 Kreis Eisenberg.

Opel

Die Nachkommen von Ludwig Keine jr. bewahrten und bewahren glücklicherweise dieses Dokument aus den Anfängen der Motorisierung in Waldeck.

Das nächte Foto (links) eines PKWs in Bömighausen ist im Schützenfestbild von 1930 zu erkennen. Es ist ein Opel mit dem Baujahr 1924/25 – Kennzeichen nicht erkennbar, vermutlich ein grüner Laubfrosch,

 

 

 

Das Motorrad gehörte vermutlich Albert Pöttner, es trägt das Kennzeichen W 1626.

Motorad

Über die ersten Führerscheinbesitzer im Ort vergleiche den Artikel von Christian Lamm.

Zur Gastwirtschaft Schäfer gehörte ca. 1930 bereits eine Garage (2 PKW-Plätze) und eine Tankstelle mit Benzin und Öl der Firmen ESSO/Standard Oil. Vergleiche die beiden kleinen Reklameschilder an der Saalecke auf dem Schützenfestbild von 1930.

Der erste Lastwagen

 

Vor dem 2. Weltkrieg betrieb Heinrich Knippschild (Knippschilds - Heine) ein Fuhrgeschaft mit PKW, LKW und einem Wohnwagen. In Schüttlers Scheune wurden drei versteckte Autos des Kaufmanns Joel über den 2. Weltkrieg gerettet. Zwei von ihnen liefen noch nach dem 2. Weltkrieg in Bömighausen.

Am Beispiel Bömighausen lässt sich der Beginn der Motorisierung gut darstellen und einiges aus ihrer Anfangszeit kann durch diesen Artikel bewahrt werden.

Die Motorisierung erreichte auch in Bömighausen nach dem 2. Weltkrieg ungeahnte Ausmaße, die unser Leben mit prägen.

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