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Die Bömighäuser Schule Lehrerbesoldung

Im Jahr 1854 wird für die Schule Bömighausen ein Haushaltsplan, wohl nach einem festgelegtem Schema, aufgestellt. Dieser Ansatz zeigt, dass für die Schule nicht einmal der vorgesehene Normalsatz von 100 Reichsthalern erreicht werden kann. Als Summe der Einnahmen sind rund 

83 Reichsthaler geplant. Die Antwort „nichts“ bei 30 möglichen Positionen etwa bei Dienstwohnung, Garten, Frucht- und Naturaleinnahmen zeigen die bescheidenen Einnahmen der Bömighäuser Schulmeister. Es folgt ein Auszug:

Anschlag der Schulstelle zu Bömighausen angefertigt im Monat August 1854 durch den derzeitigen Schullehrer Emde. Seelenzahl 146, Normalsatz 100 Reichsthaler. Diensteinkommen des Schullehrers aus der Landesschulkasse 60 Rth..Schulgeld von Kindern a 20 Sgr macht von

20 Kindern 13,10 Sgr. 1 ¼ Morgen Stelland der Morgen zu 160 Ruthen        1,10.

Von der Schulstelle hat der Lehrer kein Holz zu beziehen. Eigene Waldung ist nicht vorhanden. Separate Schulhölzer: Jedes Kind bringt täglich 2 Splitten, wird aber zum Einheizen der Schulstube benutzt.

Sonstige Berechtigungen: Der Lehrer hat eine Kuh und ein Schwein frei mit dem Hirten zu treiben, würde ausmachen an Hirtenlohn 18 Sgr.

Bei Austeilung des hl. Abendmahls im Hause an einem Kranken bekommt der Lehrer 1 Sgr 8Pf.

Für die Sterbefälle, von einer großen Leiche wird gegeben 9 Sgr. 2 Pf. Von einem Kind 3 Sgr. 9 Pf. Und können im Durchschnitt zwei erwachsene Personen und ein Kind gerechnet werden 22,1. Es werden zwei Umgänge Brot gegeben, woran einer zu Michaelis, der andere zu Lichtmess stattfindet. Jedes Mal 20 Brode, laut No 107 des Schulgesetzes, werden diese Brode a: mit 5 Sgr. bezahlt, macht für 40 Brode 6,20. Für drei Steige 6 Stücke Ostereier a St. 4 Sgr. macht 13,3. Summe aller Einnahmen 83,5 Reichstaler.

Bömighausen den 29. August 1854, unterzeichnet von L. Fulda (Pastor), Bürgermeister Kahlhöfer, Christian Schalk, Bernhard Behle, Emil Grebe, J. Friedrich Emde (Schullehrer).

Auf Anordnung des fürstlich Waldeckischen Consistoriums in Arolsen erhält Schullehrer Geldmacher zu Neerdar, der die Schulstelle zu Bömighausen seit 1860 mit Fleiß und Treue verwaltet ab 1. Januar 1868 ein jährliches Honorar von 72 Reichsthalern. Die Landesschulkasse zahlt wie bisher 37 Rthl. Der Rest mit 35 Rtlern soll aus der Ortsschulkasse zugeschossen bzw. von der Gemeinde aufgebracht werden.

An den Ortsschulvorstand zu Bömighausen

Das Königliche Provinzial Schulcollegium hat verfügt, dass die Renumeration des Lehrers Geldmacher welche bisher 6 Rtl. betragen hat, vom 1. Januar d. J. an, auf 7 Rtl. erhöht werde, und dass diesen Zuschuss die Ortsschulkasse zu tragen habe. Wir setzen Sie hiervon zum Befolg, sowie zur Unterdeutung des pp Geldmacher in Kenntnis. Corbach am 23. März 1871 der Kreisschulvorstand Stöcker.

Königliches Provinzial Schulcollegium für Hessen Nassau R. No. 419, v. 30.8.1876

Auf den Bericht vom 25. v. Mts. No. 1127 genehmigen wir, dass dem mit der provisorischen Versehung der Schulstellen zu Neerdar und Bömighausen vom 14. Mai ab beauftragten Schulamts Kandidaten Wilke für die Dauer des Auftrags eine Renumeration von jährlich 900 M wörtlich Neunhundert Mark neben freier Wohnung und Feuerung gewährt wird. Von der Renumeration von 900 M. übernimmt die Landesschulkasse 500 M. und die Gemeinden Neerdar und Bömighausen zahlen jährlich je 200 M. zusammen 400 Mark. Die freie Wohnung hat die Gemeinde Neerdar zu stellen, für freie Feuerung haben beide Gemeinden gleichmäßig aufzukommen. Hiernach wolle der Kreisschulvorstand das Weitere anordnen... Wegen Zahlung des jährlichen Zuschusses von 500 M. an den p. Wilke vom 14. Mai d. J. ab, ist die Landesschulkasse mit Anweisung versehen worden.

An den Kreisschulvorstand zu Corbach, Königliches Provinzial Schulcollegium von Ende.

Abschrift geht an den Ortschulvorstand zu Bömighausen zur Kenntnisnahme und Nachachtung zu. Corbach 4. September 1876. Der Kreisschulvorstand Gieseken

Die Lehrerbesoldung

Früher wurden die Lehrer von der Gemeinde besoldet, wobei Schulgrundstücke, die sie nebenbei noch landwirtschaftlich nutzten und auch Deputate mit angerechnet wurden. Inwieweit dies in Bömighausen zutraf ist nirgendwo nachzulesen, auch ob an der 1875 abgebrannten Schule entsprechende Gebäudeteile vorhanden waren ist nicht bekannt.

Der Unterricht erfolgte hauptsächlich in Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Jungen gingen 8 Jahre, die Mädchen 7 Jahre zur Schule.

Zahlen über die Gehaltshöhe sind im Gemeindeprotokollbuch von 1862-1968 nachzulesen.

So steht unter dem 10.5.1875 zu lesen, dass ein Lehrer Grebe aus Neerdar die Schule hier mitbetreut und um eine Gehaltserhöhung bittet. Die Gemeinde bewilligt ihm rückwirkend an Neujahr eine Zulage von 16 Talern, so dass er jetzt 100 Taler jährlich erhält. Da es sich aber hierbei um eine Zulage handelt, dürfte es sich aber um die Aufwendung für die Lehrervertretung handeln.

In einem weiteren Protokoll vom 30.12.1875 schreibt man von einer Verfügung des Schulkollegiums aus Kassel, dass das Gehalt für die Schulstelle in Bömighausen auf 600 Mark festgesetzt wird. Der Gemeinderat beschließt aber, da sie hier keinen eigenen Lehrer haben, könnten sie auch nicht das volle Gehalt zahlen.

Am 24.4.1897 stellt Lehrer Theesfeld den Antrag auf Gehaltserhöhung von 100 Mark. Die Gemeinde setzt das Gehalt auf 800 Mark, einschließlich der Grundstücke (hierbei handelt es sich wahrscheinlich um den Schulgarten), und 90 Mark für „Feuerung“ ab 1.4.1897 fest.

Der Gemeinderat befasst sich am 22.10.1902 mit der Lieferung von Eiern an den Lehrer. Hiernach kann der Gemeinderat eine Ablösung der Eierlieferung nicht vornehmen, da keine Unterlagen über die Lieferzeit und Menge vorhanden sind. Nach angeblichen Vorschlägen aus Anfang der 60ziger Jahre sollen dem Lehrer Ostereier geliefert werden, welche er aber selber einzusammeln hatte. Gegen eine solche Beibehaltung hat die Gemeindevertretung nichts einzuwenden.

Am 1.4.1904 beschließt der Gemeinderat einstimmig: Das unserm Lehrer Albus (seine Frau ist eine geborene Potthof) eine persönliche Zulage von jährlich 100 Mark gezahlt werden, die aber jederzeit widerrufen werden kann. Für den Fall dass Herr Lehrer Albus eine Nebenvertretung erhält, werden die 100 Mark nicht ausgezahlt. Die Zulage wird von Ostern an, also vom 1.4.1904 gewährt.

Die letzte Eintragung bezüglich Lehrergehalt datiert vom 17.3.1919, wo eine Erhöhung der Vertreterkosten für den Lehrer von 1 Mark auf 2,50 Mark für die Zeit, die über 32 Stunden hinausgehende Pflichtvertretung, abgelehnt.

Der Ausspruch vom „armen Dorfschulmeisterlein“ kommt genau aus dieser Zeit, in der der Lehrerberuf noch sehr schlecht bezahlt wurde.

Nach Curtze  „Geschichte und Beschreibung des Fürstenthums Waldeck“ S. 349 war das „Gehalt der Schulstellen um 1740“ in:

Bömighausen                                                 8 Thl.            18 Gr.
Schweinsbühl                                               30 Thl.            21 Gr.
Welleringhausen mit Alleringhausen               38 Thl.              9 Gr.
Neerdar                                                       48 Thl.            20 Gr.
Rhena                                                         48 Thl.            20 Gr.
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