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Schnadezüge 1.4.3

In früheren Jahrhunderten waren Schnadezüge an den Grenzen von Ländern und Gemeinden üblich um die Ländereien der eigenen Gemeinde zu sichern. Grenzstreitigkeiten waren nicht ungewöhnlich. Um sie zu vermeiden wurden markante Punkte etwa durch Bäume, Gruben, Hügel oder Grenzsteine gekennzeichnet. Männer, Jugendliche und Knaben schritten um sich den Grenzverlauf einzuprägen gemeinsam die Grenzen ab. Oft kam es zu Unstimmigkeiten zwischen Vertretern der einzelnen Städte und Dörfer. Damit die Streitigkeiten nicht ausarteten verbot die Obrigkeit teilweise die Schnadezüge, oder gestattete sie nur unter strengen Auflagen. Heute sind Schnadezüge oder Grenzgänge zu Volksfesten geworden. Aus Bömighausen sind bisher keine Schnadeprotokolle bekannt. Bei den Grenzbegängen der Nachbarorte Neerdar, Schweinsbühl und Rhena wurde Vertreter der Bömighäuser an ihren Gemarkungsgrenzen erwähnt. Es folgen Auszüge aus den Protokollen von Neerdar und Rhene.

 

Auszug aus einer Rhenaer Grenzbeschreitung vom 9. September 1672

 

Grenze gegen Bömighausen, nachdem sie vorher gegen Schweinsbühl beschrieben ist:

„...bei dem Busch her rechter Hand auf dem Wege fort nach dem Wächtlers Hals herein, und fort bis an die Spitze des Ossenrückens, von da den Berg hinein über den Nerderschen Weg hin, bis an den Kahlen Graben, in diesem Graben zwischen dem Obenlohe und Wirbelscheid hin bis an das Rhensche und Bömighäusische Ahrenscheid und in der Schlucht zwischen diesen beiden Bergen hinauf, bis auf die Helgenschlade, von da am Bömighäusischen Ahrenscheide hinunter bis in die Salz Mölle, von der Salz Mölle das Neerdersche Wasser herunter bis bei den Galgen, an der Burgwiesen, woselbst der Weg nach Welleringhausen und Usseln geht. Vom Galgen in den Burgwiesen an dem Wasser hinunter, wo die Rhene in die Nerder fällt und daselbst die Rhene wieder an den Berg, Burg Alleringhausen genannt hinauf bis an das Bernthal, und so fort im Feld hin bis auf den Weg, so vom Wipperberg nach Welleringhausen läuft, bober dem Saltzborn hin, und so fort weiter auf dem Wipperberg, bis auf den Alten Teich...“

Über die Fischerei heißt es unter dem 10.9. 1672: „...die von Rhena haben die Rhene zu fischen bis in die Nerdar, dann die Nerder an den Wiesen herauf bis an den Galgen, wo der Weg von Korbach Welleringhausen und nach Usseln läuft.“

Das Fischereirecht in diesem Teil der Nerder wurde von der gräflichen Herrschaft denen von Rhena nicht zugestanden (STAM 115.6.18).

Rezeß über den von der Gemeinde Neerdar am 4. Juni 1841 gehaltenen Schnadezug.

Nachdem die Gemeinde Neerdar durch das Rescript fürstl. Regierung vom 13. August vorigen Jahres die Erlaubnis zur Haltung eines Schnadezugs bekommen, war dazu von den Unterzeichneten Tagefahrt auf heute bestimmt und die angrenzenden Gemeinden, wie auch fürstl. Waldeck. Forstkammer davon benachrichtigt, welche durch Herrn Amtsoberförster Contze und Herrn Förster Schnedler, welche sich eingefunden hatten, ihre Gerechtsame wahren lassen wollte.

...Von hier herüber bis vor den Grütmel, wo neben dem Bömighäuser Pfade hart an dem Walde ein Stein gesetzt werden soll, und einige sind an dem gehackten Loche gestutzt: Friedrich Emde, Henrich Bangert, Wilhelm Saure und Henrich Zölzer.

Nun den Bömighauser Fußpfad den Grütmel hinab hinab auf den Flechtdorfer Fußpfad unter dem Grütmel über dem Walde, der Rechen genannt, wo ein Stein gesetzt werden soll und ein Loch eingeschlagen ist....Darauf ging der Zug die grindrige Seite hinan bis auf die Sommerseite des Sprenzenberges, bis an die Büsche an Christian Emden und Richter Beckers von Schweinsbühl Land. Die Schweinsbühler protertierten auch gegen diesen Zug und meinten, dass die Neerdarschen nicht so weit kommen dürften. Es traten hier die Bömighäuser ab, als Richter Kalhöfer, Vorsteher Emden, Rüger Bruchhäuser und Christian Schalk.

...Sodann ging der Zug nach einem abermals mit Bömighausen abgeschlossenem Vergleich von Kalhöfers modo Potthofs Rodeland, wo ein Stein vor dem Walde gesetzt werden soll sodann durch den Wald, das Werbelscheid hinab bis auf die unterste Pfarrwiese in den weißen Brüchen, auf Richter Emden Wehr, sodann am Walde hart weiter, so dass die Wiesen in der Neerdarschen Grenze bleiben, bis vor die Mitte der Kirchenwiese, wo zwischen dem Wege und dieser Kirchenwiese ein Stein gesetzt werden soll. Ferner quer durch die Kirchwiese auf Schüttlers Kirchenland, wo zwischen diesem Schüttlerschen Lande und Liesen Stoffels-modo Müller Behlen Lande ein Stein gesetzt werden soll. In dem dazu gehackten Loche sind gestutzt:

Henrich Schüttler, Anton Emde und Henrich Becker.

Sodann den Berg hinauf auf den Busch auf der Lünn zwischen Zölzers und Müller Behlen Land, wo ein Stein gesetzt werden soll. Von da auf Knippschild Küthen von Welleringhausen Lehnland und fort auf die Ständer zu, vor den Ständern hinauf bis an den hier vor der Ständerspitze stehenden Stein, der zwar beschädigt, worauf aber das N noch deutlich zu sehen ist. Hier bei diesem Stein trat die Gemeinde Welleringhausen an und zwar: Richter Behle, Wirtschaftsaufseher Eierding und Markmeister Fr. Schüttler.

Von da ging der Zug über das Feld nach der großen Berle hin vor einen Busch, an Johannes Wilhelm Knippschilds Land und Christian Butterwecken Land, wo die Grenze zwischen Bömighausen, Neerdar und Welleringhausen ist, der Stein aber fehlt jedoch wieder eingesetzt werden soll.

Ut supra. Fürstl. Waldeck. Ober- Justizamt des Eisenbergs gez. E. Hagemann R. Rube.

 

Auszug Schnadezug Rhene vom 04. Julius 1803

... Nachdem nun an der Ecke des Werbel Scheides und des kalten Grabens etwas ausgeruhet war, traten die Schweinsbühler unter Beziehung auf obgedachte Receße von 1725 und 1727 und unter wiederholter Protestation ab und die Bömgihäuser traten an. Von hier erschienen Richter Kahlhöfer im 60. Jahr, Müller Matth. Behle ilm 62. Jahr, Joh. Henr. Schalk im 38. Jahr und Matth. Klein im 40. Jahr.

An der Ecke des Werbelscheides fanden sich zum Malzeichen drei alte Buben diese wurden erfrischet. Nun ging der Zug am Kalten Graben, zuerst blieb dieser linker Hand- dann aber nachdem der Zug über den Graben gegangen war, zur rechten liegen – herrunter bis zu den Wiesen im Brethal, von hier die Stellung zwischen dem Bömighäuser und Rehnaischen Ahrenscheid bergan herrauf. Unten an der Stellung wurden gestuzt: Jaohannes Kahlhöfer aus Bömighausen und Karl Klein aus Rehna beyde im 27. Jahr alt. Der Zug ging, nachdem solcher die Stellung herauf zur sogenannten Helgen Schlade gelangt war, am Bömighäuser Ahren Scheide weiter über die Anhöhe hinaus- jedoch blieb dieses Bömighäuser Ahrenscheid zur rechten Hand liegen- also neben demselben herunter zu den Usselschen Wege bergabwärts zu, also quer über die mit Sommerfrüchten- als Erbsen, Gerste, Wicken, Hafer- besamten Länder herrunter, und schnurgerade dahin, wo auf dem Neerdaischen Wasser an den Burg Wiesen die Brücke oder Steg- worüber der Weg nach Welleringhausen und Usseln führet- beym Galgen genannt- angelangt ist. Zum Andenken wurde bey dieser Brücke. Müller Matthias Behle aus Bömighausen gestuzt. Die Alleringhäuser traten dem Zuge bey...

Sic actum ut supra Im fidem Carl Georg Stoecker, Amtmann

Rube Hofgerichts secretarius und Amts Actuarius

 

 

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