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Schnadezüge Teil 2. 1.4.3

Vorstand und Schnadebeauftragte des Schützenvereins 1919 Bömighausen e.V.

Erster Bömighäuser Schnadezug
Erster Bömighäuser Schnadezug
Die Verfasser dieser Chronik haben sich entschlossen, die nachdenkens- und bemerkenswerte Predigt von Pfarrer Matthias Müller anlässlich des 1. Grenzbegangs, hier an dieser Stelle in vollem Wortlaut abzudrucken.

Liebe Gemeinde!

In verschiedenen Gemeinden des Waldecker Landes wird in regelmäßi­gen Abständen ein Grenzbegang un­ternommen. Der sogenannte Schnadezug diente früher zur Vermessung aller Grundstücke und später zur Be­kräftigung der eigenen Grenze ge­genüber den Nachbargemeinden. Es ging, also um eine Standortbestimmung: Wie weit kann ich gehen? Wo sind meine Grenzen?

Das sind Fragen, die nicht nur hin­sichtlich der Geographie einer Ge­meindegemarkung wichtig sind. Viel­leicht sollten wir Menschen auch in regelmäßigen Abständen einmal wie­der unsere eigenen Grenzen abge­hen: Wo und wie grenze ich mich von anderen ab?

Wie ist mein Verhältnis zu den anderen Menschen, mit denen ich zusammenlebe in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft?

Eine solche Standortbestimmung kann hilfreich sein, um deutlicher zu erkennen, wer ich bin und was mir wirklich wichtig ist. Das wird nur möglich sein, wenn ich weiß, wie weit ich gehen kann und wo ich an meine Grenzen komme.

Die Begrenztheit des eigenen Le­bens erfahren wir Menschen ja nahe­zu tagtäglich. Wir spüren die Grenzen unserer Kraft in der Schule, am Ar­beitsplatz und zu Hause. Dann ist nicht alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen habe. Ich erfahre die Grenze meiner Belastbarkeit, muß zu­rückstecken und kann nicht so weiter­gehen wie geplant. Die Grenze der Geduld und der To­leranz ist manchmal schnell erreicht. Dann kann ich anderen Menschen nicht den gewünschten Raum zum Le­ben lassen. Und manchmal enge ich dadurch nicht nur andere, sondern mich selbst ein. Solche und andere Grenzerfahrun­gen kennt wohl jede und jeder aus dem eigenen Leben. Sie gehören zu unserem Lebenslauf. Sie lassen, uns spüren, daß uns nicht alles möglich ist. Uns Menschen sind Grenzen gesetzt, und manchmal kann das ja auch sehr heilsam sein, damit Hochmut und Machbarkeitswahn nicht Überhand nehmen.

 

Gottesdienst im Freiem
Gottesdienst im Freiem

Und manchen Politikern, -superreichen Konzernen oder bayrischen Fußballvereinen wünschen wir es ja gelegentlich, dass die auch einmal kräftig zurechtgestutzt werden,d.h. einen Anstoß kriegen,
ihre eigenen Grenzen wieder zu spüren.
Und das kennen wir ja von uns selbst, wer so auf n Stutz auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht wird, der muss sich dann manchmal ganz schön auf den Hosenboden setzen.
Der kann aber dann wieder ganz neu und anders anfangen.
Die Grenzen kann auch ein gefährlicher Ort sein, - und wehe, wenn einer keine Grenzen mehr kennt!
Wenn wir heute rund um Bömighausen die Grenzen abschreiten, dann erinnern wir uns aber auch
daran, welche Lebensmöglichkeiten die Gemarkung in alten Zeiten gegeben hat.
Die Fläche, die zu einem Dorf gehörte. Bot die Dinge, die man zum Leben brauchte.
Wasser, wenn es eine Quelle oder einen Bach gab. Steine, Sand, Lehm, Brennholz und Bauholz,
Beeren, Kräuter, Futter fürs Vieh.
Man konnte von dem leben, was innerhalb der Grenzen einfach da war, was wild wuchs, kultiviert
wurde oder auf der Weide weidete.

Die Gemarkung, der markierte Bereich innerhalb der Grenzen, sicherte die Existenz.
Noch einmal das alte Testament „Verrückte nicht die uralten Grenzen, die Deine Väter gemacht haben." Diese Grenzen, die reichten zum Leben, die holten nicht das Letzte heraus und die ließen
auch dem Nachbarn das Lebensrecht.
Schön das wir heute in gegenseitiger Wertschätzung, mit Respekt und Anerkennung – und auch
mit Humor die Abordnung der Nachbarn aus Rhena empfangen können.
So können wir diesen Tag heute begehen, indem die Grenzen uns unsere eigene Identität, im besten
Fall unsere Herkunft wieder bewusster erleben lässt.

 

Und wir können diesen Tag feiern, in der Hoffnung, die bereits im Alten Testament alle menschlichen Grenzerfahrungen begleitet: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum", heißt
es in Psalm 31 (Vers. 9) von Gott.
Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht vermag Gott in Weite zu verwandeln.. „Du stellst meine
Füße auf weiten Raum."
Im Glauben kann ich die eigenen Grenzen klar sehen und zugleich gewiss sein, dass ich in meiner
ganzen Begrenztheit gut bei Gott aufgehoben bin.
Seine Liebe gerät selbst mit dem Tot nicht an ihre Grenze, sondern sie reicht weit darüber hinaus.
Das ist die Hoffnung unseres christlichen Glaubens.
In ihr wird es möglich sein, auch die letzte Grenze am Ende unseres Lebens anzunehmen und
in der Kraft der Auferstehung Jesu zu überwinden.
Der Hinweis auf das Reich Gottes –viel größer, viel weiter als unsere Grenzen –kann uns hier auf
Erden helfen die Grenzen von Ohnmacht und Ängstlichkeit zu überwinden.

 

Gott möge uns allen immer wieder Grenzerfahrung schenken, die uns deutlich erkennen lassen,
wo wir stehen und die zugleich unseren Blick weiten für seine grenzenlose Wirklichkeit. Amen.

Schnadezug

Schnadezug

 

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