1.6.1 Der Schützenverein
Jubiläum in Bömighausen: 75 Jahre Schützenverein
Bericht der WLZ v. 08.07.1994
„Der Besuch aus den umliegenden Dörfern war ein großer“, berichtete die Waldeckische Landeszeitung am 19. Juli 1920. „Alles war in fröhlicher Feststimmung.“
„Dass die Bömighäuser Schützen gut informiert sind über die Vereinsgeschichte, verdanken sie vor allem einem Mann, der als zuverlässiger Chronist gewissenhaft notiert und sammelt und was den Verein bewegt: Ehrenoberst Christian Lamm kennt die alten Rechnungsbücher und Protokolle wie kein zweiter und hat zum Jubiläum in sorgfältiger Arbeit eine Chronik zusammengestellt, die er heute abend übergibt.“
„Bereits im Jahre 1909 gründeten Neerdarer und Bömighäuser gemeinsam einen Kriegerverein. Der erste Weltkrieg kam und forderte das Leben vieler Upländer. Die Bömighäuser Heimkehrer wurden im Februar 1919 mit einem großen Fest zu Hause empfangen. Es gefiel ihnen so gut, dass sie einige Tage später „den Bömighäuser Damen für die herrliche Bewirtung“ öffentlich per Heimatzeitung dankten. Wer weiß, vielleicht wurde bei dieser Gelegenheit die Idee geboren, einen eigenen Schützenverein ins Leben zu rufen...
Das älteste schriftliche Dokument ist das Kassenbuch. Elf Männer trafen sich danach 1919 im Gasthaus Schäfer. Jeder von ihnen zahlte drei Mark Aufnahmegebühr, und der monatliche Beitrag wurde auf zehn Pfennig festgesetzt.
Die Pflege der Geselligkeit wurde damals schon neben dem sportlichen Schießen ganz großgeschrieben. Die Mitglieder trafen sich zu unterhaltsamen Veranstaltungen mit Theateraufführungen und Tanz, setzten sich als ehemalige Soldaten engagiert ein für die Errichtung eines Kriegerdenkmals und führten schon 1920 das bereits erwähnte Schützenfest durch, bei dem Heinrich Pöttner, ein gebürtiger Bömighäuser, der in Kassel lebte, Schützenkönig wurde. Zur Königin erkor er sich Berta Schulze. Damals schossen die Teilnehmer übrigens noch nicht auf einen hölzernen Vogel, sondern auf Scheiben.
Natürlich erlebte der Verein Höhen und Tiefen. Während des zweiten Weltkrieges kam er völlig zum Erliegen. Die Vereinsgewehre wurden von den Amerikanern, die im März 1945 in Bömighausen einrückten, zerschlagen beziehungsweise als Kriegstrophäen mitgenommen. Die Fahne überstand die Wirren der Zeit in einem Versteck unter der Schieferverkleidung am Glockenturm der Schule.
Erst im April 1958 wurde der Schützenverein wieder aktiv und von 17 Männern neu ins Leben gerufen.
Damals wurde Karl Kronborn zum Vorsitzenden gewählt, der das Amt bis zu seinem Tod im Jahr 1970 ausübte und bis heute unvergessen ist. Er war der Motor des Vereins, und die Jahre, in denen er Regie führte, waren auch in sportlicher Hinsicht die bisher erfolgreichsten. So wurden damals Spitzenplätze bei den Rundenwettkämpfen auf Kreisebene sowie bei den Kreis- und Gaumeisterschaften belegt.
Bömighäuser Schützen engagierten sich nicht nur auf örtlicher Ebene, sondern waren auch weit darüber hinaus tätig. So war Christian Lamm von 1961 bis 1963 Kreisschützenmeister. Fritz Koch nahm das Amt von 1970 bis 1987 wahr und stellt sich von 1979 bis 1988 als Gauschützenmeister zur Verfügung.
Seit 1959 werden in Bömighausen wieder Schützenfeste gefeiert. Außerdem veranstaltet der Verein regelmäßig seinen beliebten Schützenball, das herbstliche Kartoffelbraten, die Nikolausfeier für die Kinder des Dorfes, die Weihnachtsfeier für die Senioren, sowie Osterfeuer und Seefest in enger Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein.
Hervorzuheben sind insbesondere die vielen Arbeitsstunden, welche die Mitglieder für die Allgemeinheit leisten. So legten sie fleißig mit Hand an beim Bau des Kinderspielplatzes, der Friedhofskapelle, der Schutzhütten und vielen anderen Maßnahmen.
Seit 15 Jahren steht mit Friedrich Koch, der das Amt 1979 von Fritz Behlen übernahm ein Mann an der Spitze, der es versteht, Brauchtumspflege und sportliches Engagement als gleichwertige Pfeiler der Vereinstätigkeit zu fördern.
Der Schützenverein hat im Jubiläumsjahr 192 Mitglieder, darunter rund 40 Sportschützen, die großen Wert auf eine aktive Jugendarbeit legen. So freuen sich die Mitglieder, dass sie zum Schützenfest zehn Jungschütz(inn)en aufnehmen können.“
Schützenfeste und Königspaare von 1919 – 1999
1920 – 1925 1975 – 1978
Heinrich Pöttner und Berta Schulze Rainer und Karin Oberhaus
1925 – 1927 1978 – 1980
Robert Emde und Ida Schäfer Fritz und Helga Behlen
1927 – 1930 1980 – 1983
Albert Pöttner und Ida Schäfer Otto und Ilse Pöttner
1930 – 1935 1983 – 1985
Friedrich und Anna Emde Christian und Gisela Pöttner
1935 – 1940 1985 –1988
Karl und Lina Kronborn Karl-Wilhelm und Andrea Pöttner
1959 – 1960 1988 –1990
Karl und Gisela Kronborn Friedrich und Ursula Koch
1960 – 1963 1990 –1992
Heinrich und Frieda Koch Friedrich und Hildegard Trachte
1963 –1965 1992 – 1994
Heinrich und Elisabeth Jäger Ulrich und Ilse Göbel
1965 –1968 1994 – 1996
Dieter und Marlies Pohlmann Herbert und Mariechen Knippschild
1968 –1971 1996 – 1999
Ludwig und Anneliese Behlen Friedrich und Christine Behlen
1971 – 1973 1999 – 2002
Erich und Marie-Luise Pöttner Erich und Erika Pöttner
1973 – 1975 2002 –2004
Fritz und Friedma Römer Helmut und Wilma Saure
2004 – 2006
Markus Potthof und Nicole Ritter
Im Rahmen dieser Ortschronik wird auf die ausführliche Chronik des Schützenvereins Bömighausen hingewiesen, zusammengestellt von der Familie Helmut Saure. So wurde hier nur ein zusammengefasster Bericht des Schützenwesens aufgenommen. Die nachfolgenden Bilder zeigen entsprechend nur einige der Königspaare.